Ein Forschungsteam an der Humboldt-Universität in Berlin hat die Behauptungen Thilo Sarrazins genauer unter die Lupe genommen – mit dem Ergebnis, dass die meisten der Thesen nicht zu halten seien.
Mit der Veröffentlichung seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ hat der ehemalige Bundesbankvorsitzende Sarrazin eine Welle an Entrüstung hervorgerufen – doch auch viel Zustimmung gefunden. Deutschland ist geteilt in Befürworter und scharfe Kritiker der provozierenden Thesen zur Integrationsproblematik.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin hat die im Bestseller getroffenen Äußerungen in den letzten Monaten akribisch analysiert. Im Ergebnisbericht des Dossiers „Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand“ gaben sie bekannt, dass ein großer Teil seiner Konklusionen auf veralteten Daten basiere und einer äußerst subjektiven Einschätzung unterliege.
Zwar sei es korrekt, dass Menschen mit türkischem Migrationshintergrund im Durchschnitt weniger gebildet seien als vergleichbare Gruppen Deutscher. Dennoch sei der Bildungstand der Einwanderer im allgemeinen seit den 60iger Jahren erheblich angestiegen. Auch sei eine Orientierung am Mikrozensus nicht wissenschaftlich tragbar und führe zu verfälschten Korrelationswerten.
Das Werk Sarrazins erfreut sich dagegen immer noch höchster Verkaufszahlen – ein Ende der Beliebtheit ist bisher nicht in Sicht.
von Meik Struve | In Politik | 23/01/11 um 14:34

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